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14.06.2016
Industrie 4.0, Innovation, Kreativität, Querdenken

Industrie 4.0 kann (fast) alles

Der Wandel von Industrie 3.0 zu Industrie 4.0 kennt keine Warteschleife. Die 4. industrielle Revolution macht vor dem Mittelstand nicht halt, wenn auch mit uneinheitlicher Geschwindigkeit. Das gibt die unterschiedliche Verfügbarkeit der Ressourcen gegenüber den Großen einfach vor. Die klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) müssen sich auf sich selbst konzentrieren. Wer hier zu sehr auf das Tun von Vorreitern schaut, verliert seine Identität und Vision. Den Blick auf die eigene Firma.

Die Digitalisierung, die digitalen Techniken und Medien, verändern die Produktion und Logistikabläufe. In der Folge die Produkte und die Dienstleistungen. Meist liegt beim Mittelstand noch der Fokus auf Seiten der Produktion. Dort gibt es klare Vorgaben und es entsteht ein Nutzen, ohne alle Prozesse in das wirtschaftliche Handeln einbeziehen zu müssen. Und der Nutzen ist: Weniger auf Lager vorproduzieren, sondern die bestellte Losgröße im geforderten Qualitätslevel, wirtschaftlich und termingerecht zu produzieren und zu liefern. Richtig umgesetzt, zum Beispiel die Kundenwünsche, die Zulieferer usw. eindeutig beschrieben, eine gute Vorbereitung für die nächsten Schritte.

Die Produktkonzeption und die Realisierung sind Bausteine für die Einführung von Industrie 4.0. Bis zu der Zusammenführung aller wertschöpfenden Unternehmensbereiche, auch der nicht produzierenden wie F&E, Vertriebspartner, sowie aller Zulieferer von Bauteilen, von Komponenten wie auch Härtereien und Oberflächenbehandlungen und den Kunden, ist es noch ein weiter Weg und erfordert eine Strategie. Umfangreiche rechtliche Grundlagen, verbindliche Standards, eine verständliche Normung, Basismodelle, die eine individuelle Gestaltung ermöglichen für die Einführung usw. werden den Weg zur Fabrik der Zukunft begleiten müssen. Damit können dann Produktionsausfälle an Maschinen, über dokumentierte Serviceberichte und Erfahrungen in noch besser planbare, bzw. vorhersehbare Wartungsintervalle umgesetzt, beinahe ausgeschlossen werden.

Die Informations- und Kommunikationstechnik wird die Servicebasis. Das erfordert durchlässige Grenzen zwischen den Unternehmen. Was kann passieren? Zum einen, wie wird der Umgang mit dem Wissen unter den sich wechselnden Allianzen geregelt? Genügen kurzfristige Geheimhaltungsklauseln als gesetzlicher Rahmen für diese flexiblen Prozessketten? Entsteht durch diese erforderliche Durchlässigkeit eine noch nicht vorhersehbare Informationsflut zwischen den Unternehmen? Wie wirkt sich das auf Entscheidungen aus? Fördert das die ungefilterte Weiterleitung an Personen mit dem Ziel der persönlichen Absicherung? Die Herausforderung hier ist es, den Sicherheits-Fetischismus abzulegen und zu entscheiden. Verantwortung zu übernehmen. Geschäftsführer wie geschäftsführende Gesellschafter müssen innerhalb der Führungsebene eine aktive Mitwirkung für die notwendigen Aufgaben zuordnen und Handlungsempfehlungen geben.

In der weiteren Betrachtung ist davon auszugehen, dass in produktorientierten und selbst produzierenden KMU eine stärkere Verlagerung zu Produktinnovationen stattfinden muss. Damit die entscheidenden Vorteile auf dem Markt geschaffen werden können. Verbessert wird dieser Innovationsprozess unter anderem dann, wenn die Tätigkeit von Konstruktion und Entwicklung und die des E+K-Leiters nicht nur als unverzichtbarer Dienstleiter für andere Abteilungen im Unternehmen gesehen werden. Hier reicht es nicht aus, ein bisschen darüber nachzudenken. Die Zugriffe auf die fachliche Kompetenz und die operative Einbindung reduziert die Zeit für die Kernaufgaben der E+K-Abteilung und blockiert den verantwortlichen E+K-Leiter. Der strategisch wichtige Verantwortungsbereich Innovation und Kreativität wird durch die geforderte dominante Fachkompetenz überlagert. In Zukunft wird es nicht mehr reichen, nur innovative Produkte und den Service auf den Markt zu bringen. Vielmehr ist der Blick auf den ständigen Wandel zu richten und zu erkennen.

Schlüsselbegriffe wie Durchgängigkeit, Implementierung, Prozesse, systemübergreifend, Veränderung, Verknüpfung, Verschmelzung, Zukunftsfähigkeit usw. prägen Industrie 4.0. Jeder dieser Begriffe kann anregen zum Querdenken, um Ecken zu denken, Routinen und Selbstverständlichkeiten infrage stellen. Historisch gewachsene Strukturen steht der Wunsch nach individuellen Produkten und Lösungen gegenüber. Herausforderungen, die trotz verstärkter intelligenter Systemunterstützung, die Mitarbeiter nicht ohne Erfahrung durch technisches Wissen und Kreativität bewältigen können.

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