12.07.2016
Innovation, Querdenken, Messe

Innovation oder Innovatiönchen

Natürlich weiß jeder dass Messen wichtig sind. Metallbearbeitungsmessen für den Maschinenbau mit seinem großen Umfeld an ergänzenden Technologien und der Verfahrenstechnik, zeigen Problemlösungen in festgelegten Rhythmen. Getragen von Verbänden, Politik und auch Hochschulen ist eine Teilnahme an wenigstens einer Messeveranstaltung Pflicht.

Ein entscheidender Punkt bei jeder Messveranstaltung ist die klassische Frage aus der Zielgruppe der Bestandskunden und den Redakteuren von Fachzeitschriften: Was gibt es Neues? Sind dann die Vorrausetzungen gegeben, dass die Augen bei der Weitergabe der Botschaft funkeln, ist alles in Ordnung. Der positive Kreis schließt sich dann über intensive Gespräche mit bisher nicht adressierten Messebesuchern, mit Institutsleitern, mit Hochschulen und dem teilnehmenden Wettbewerb. Aus der Selektion daraus können gewollt oder ungewollt Faktoren für ein zukünftiges erfolgreiches unternehmerisches Handeln entstehen. Einige Branchen die sich etwas   losgelöst, an den Verkaufsabschlüssen messen lassen können und wollen, sind in der Minderzahl. Und die haben im Vorfeld in dem Puzzle schon einige Steine richtig zusammengesetzt. Trotzdem, eine Bruchstelle danach ist nichts Ungewöhnliches.

Die Schnelllebigkeit der Trends und der gezeigten Produkte ist dann kurzfristig in den Köpfen registriert und in den Messenotizen festgehalten. So gesehen ist, nach der Messe ist vor der Messe. Danach folgt das hektische Tagesgeschäft. Das Dringende, das Tempo bei der Aufarbeitung der Anfragen und Kontakte hat den Vorzug gegenüber dem Wichtigen. Es entsteht oft unbewusst ein Aktionismus. Eine Informationsmasse muss bewältigt werden. Das kann dauern. Denn diese Aktivitäten erzeugen neue Informationen, die ihrerseits wieder Aufmerksamkeit erzeugen. Machbarkeitsprüfungen aus den Messetagen können berauschend wirken. Aus der Routine werden bewährte Lösungsansätze verwendet. Egal ob die Idee gut oder schlecht ist. Nur keine Risiken eingehen. Innovation und Kreativität gehen auf Tauchgang.

Die Selbstzufriedenheit siegt. Das Gegenteil dazu sind langfristige Planungen die dann das Gefühl vermitteln alles unter Kontrolle zu haben. Doch dann wird der Zeitpunkt zu handeln, zu entscheiden verpasst. Kreativität ist nicht mit Excel Tabellen steuerbar. Allen ist klar. Kreativität ist eine zentrale Voraussetzung für Innovationen. Für neue Produkte. Funken dazu können spontane Erlebnisse und Erfahrungen eines Messebesuches sein. Mehr aber auch nicht. Mit „den richtigen Riecher“ haben hat das nichts zu tun. Kreativitätsmethoden können bei diesen Rückgriffen nicht helfen. Der vorgezeigte Weg ist da schon richtungsweisend. Das Ergebnis vorstellbar.

Werden so Kreativität und Innovation als eine Erfolgsstory gehandelt, die nach Bedarf abrufbar sein muss, entstehen keine Innovationen. Selbst wenn der bevorstehende nächste Messetermin genau das dann verlangt. Es wird versucht, die ausgegebene Herausforderung innerhalb eines vorhandenen, traditionellen Basiswissens zu lösen. Was als Innovation folgt ist der Ausbau von Produktreihen mit Anwendungsbereichen größer oder kleiner. Oder eine verwendete   Technologie wird in eine weitere bisher erfolgreiche Produktreihe ergänzt. Sozusagen als ein sogenanntes technologisches Update verkauft, das als Folge bisher wirtschaftliche Stückzahlen in der Produktion in Klein- und Kleinststückzahlen verändern kann. Das Resultat: Ein verschanzen hinter bekanntem. Am Ende höchstens ein produktbezogenes Innovatiönchen. Der interne Aufwand in puncto Qualität, Produktanlauf und Fehler in der Herstellung ist minimiert und spart so vordergründig Kosten. Der bekannte Trampelpfad wurde nicht verlassen. Das es bisher oft funktioniert hat, ist in vielen Branchen unbestreitbar.

Liefern die altbewährten Ansätze weiterhin die Antworten für die heutige Zeit? Oder kann es nicht interessant und hilfreich sein, die eigene Organisation von Zeit zu Zeit in Frage zu stellen und sich mit Alternativen auseinanderzusetzen, zu hinterfragen. Jedoch nicht als Folge daraus eine bekannte Innovationsstrategie nachzuahmen. Sondern kreativen, ideenreichen Menschen in Unternehmen, als Querdenker dabei zu helfen, in den vorgegebenen Prozessen und Strukturen mehr Gestaltungsspielraum, mehr produktive Kraft zuzulassen. Das lineare denken der anderen nicht teilen und das Umfeld verändern für „Do it, try it, fix it“. Das erhöht die Treffer für Neues.    

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