22.09.2017
Querdenken, Digitalisierung, Kreativität

Epizentrum Technik

Die EMO 2017 - "Die Welt der Metallbearbeitung" kann als Epizentrum der Technik bezeichnet werden. Auf siebzehn Hallen aufgeteilt werden additive Verfahren und Komponenten, die Lasertechnologie, Wärmebehandlungsverfahren, Verfahren der Oberflächentechnik, Schweißen und Schneiden, die Schleiftechnologie, Präzisionswerkzeuge und Spannmittel, die Werkstück-spanntechnik, Messmittel und Sensoren, spanende Fertigungstechnologien, die Mikro-Bearbeitung, die Umformtechnik und damit sind noch längst nicht alle Anwendungen aufgezählt, wie auch ergänzendes Zubehör und Service-Dienstleistungen, präsentiert. Und bei allem ist es sehr schwierig zu unterscheiden, was hat sich nicht geändert und was ist eine aktuelle große Sache.    

Hinzu kommt der Fokus auf vernetzte Systeme. "Connecting Systems for intellegent production", das Schwerpunktthema. Dem wurde schon vorab in den Ankündigungen der technischen Presse sehr große Aufmerksamkeit gewidmet.  Was das für die Unternehmen und Mitarbeiter, für uns alle bedeutet, ist einfach in Worte zu fassen. Die Bedingungen in der Wirtschaft sind unberechenbarer und unplanbarer geworden.

Darüber nachzudenken würde zu neuen Einsichten führen. Vielleicht auch, dass der einzelne Mensch nicht mehr so wichtig ist. Sich in der Arbeit zu verlieren hemmt gerade diese Gedanken für eine umfassende Lebensperspektive und Vision. Wissen und Erfahrung werden abrufbar durch die künstliche Intelligenz (KI). Algorithmen werden die Standards verwalten. Für die Kohorten an Besuchern, denen eingetrichtert ist, sich auf die neuesten Trends und neuesten Techniken zu konzentrieren, in diesen Köpfen entstehen diese Gedanken nicht. Jede Halle ist eine technische Bühne, die beflügeln soll, sich auf das zu stürzen was scheinbar neu und aktuell ist. Um als Erkenntnis, zurück Zuhause, sich dann ebenfalls in diese große Sache einzuhaken. Nur das die Realität sich nie an den vorgefundenen Idealfall hält. Was dann zeitverzögert oft dadurch begangene Fehler und Schwächen unfehlbar aufzeigt. Denn das Für und Wider, ebenfalls in eine aktuell große Sache einzusteigen, liegt immer beim Kunden. Was wollen die Kunden aktuell und was in den nächsten Jahren. Akzeptieren die Kunden Trends und risikobehaftetes? Oder ist es wichtiger die Grundprinzipien der Kunden zu kennen? Zum Beispiel, einfaches Handling, günstiger Preis, einheitliche Ersatzteile, just-in-time-Produktion, Gewichtseinsparungen bei Modellen usw. Grundprinzipien, die sich aus den Produkten der Kunden abbilden. Ob Winkelschleifer, Akku-Schrauber, E-Bike oder SUV. Es gibt zu den Produkten Grundprinzipien, Kriterien, welche die Anwender und Käufer wollen und auch in Zukunft erwarten. Dass diese Kriterien einer ständigen Beurteilung und Verbesserung unterliegen steht außer Frage. Doch einfach fremde Ideen zu kopieren, Trends gegen dauerhafte und bestehende Prinzipien auszutauschen, richtet sich gegen den Erfolg im Unternehmen. Das hat auch nichts mit Kreativität zu tun. Ist jedoch ein Bruchteil einer neuen Technik, eines Trends wertvoll, wird dies erkannt und bestehende Fehler korrigiert, dann kann so ein gewählter Weg erfolgreich sein. Es ist vielleicht nur ein durchschnittlicher kreativer Weg. Doch schon damit ist ein Unternehmen dann oft besser als der Rest der Branche. Die Welt der Metallbearbeitung, 2017, ist ein Epizentrum der Technik. Der präsentierte Erfolg auf dieser Messe ist keine Garantie für die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen. Mit dem Abbau auf der Messe - waren die Resonanz und der Erfolg noch so groß - ist der Zeitpunkt etwas Neues zu beginnen gekommen. Und es ist dabei ganz wichtig, nicht nach Schema "F", nach alten Regeln und Mustern zu handeln. Die Wirtschaft wandelt sich in hohem Tempo. Strukturen, Hierarchien und Regeln aus der Vergangenheit geben nicht mehr die Orientierung. Daraus abgeleitetes Wissen begrenzt den Blick über den Tellerrand. Im Zeitalter der Digitalisierung werden die Karten neu gemischt. Denken abseits von Standards führt zu Kreativität. Querdenken ist die Schlüsselkomponente für die Kreativität. Denn ohne Kreativität gibt es keine Innovationen. Querdenken ist ein Ausweg aus der Arbeitsroutine. Einer Routine, die es nicht ermöglicht darüber nachzudenken wie es anders gehen könnte. Querdenken ist keine Mode die kommt und geht. Querdenken ist eine Strategie in die Zukunft und auch eine Rundum-Erneuerung am Unternehmen. 

(Bild: G. E. Buchberger)

 

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