12.04.2017
Digitalisierung, Industrie 4.0, Querdenken, Inspirieren, Supply-Chain

Irgendwo scheitert ein Projekt

Während sie das lesen, kann ich auch schreiben: Irgendwo scheitert heute ein Projekt. Zu einem solchen Debakel trägt Industrie 4.0 nicht unerheblich bei. Es ist ein umgreifender Wandel in den Unternehmen im Gang und der liefert so manche Story.

Gedanklich werden mit dem Begriff Industrie 4.0 schnell Maschinen und Steuerungen verbunden. Damit stellt sich schon zu Beginn die Frage. Wo beginnen wir? Ein Mehrwert ist dann oft schnell gefunden in einem Produkt oder  einer Produktgruppe. Die Mitarbeiter sind begeistert. Es fühlt sich aktuell an und eine hinzugezogene externe IT-gestützte Mannschaft, hoch angepriesen, dient als Beweis für den im Unternehmen stattfindenden Wandel. Die Umsetzung des Projekts kann starten. Ideen strömen zu Beginn. Die Konstruktion wird dazu plötzlich als der Informationspool gesehen. Ideen und Wunschvorstellungen sollen von hier mit den hinterlegten Daten versorgt werden. Das Rüstzeug bilden die vorhandenen 3D-CAD Konstruktionsmodelle und die hinterlegte Produktlogik. Der Stellenwert des PDM-Systems, so die oft vorgefundene Meinung, kann neu definiert umfassend angezapft werden. Die Weiterverwendung von technische Daten, Stücklisten, Normteile Bestellbezeichnungen, CAD-CAM Verknüpfungen, Prüfanforderungen, usw. werden als kompatibel definiert. Die Dinge einfach mit neuen - einheitlichen von der IT festgelegten Spezifikationen kombinieren. Das ist alles. Als Konstruktionsleiter wissen sie aber auch, dass die Bereitstellungen und Umsetzungen der erforderlichen Inhalte sehr problematisch für alle anderen anstehenden Konstruktionsaufträge sind. Denn, wer stellt schon gerne die fähigsten Mitarbeiter für die dazu erforderliche Schulung und nachfolgende Realisierung der Aufgaben an die ITler ab. Wohlwissend, der Bestand an unerledigten Konstruktionsaufträgen wird sich damit erhöhen. Ein großer Teil der Projektverantwortung liegt damit in der Konstruktionsabteilung. Die ist in der Bringschuld. Mit diesen (unüberlegten) Schritt beginnt dann die Suche nach den Störungen. Bei allen sich häufenden und ungeklärten Stolpersteinen treffen wir auf gewachsene Prozesse. Es ist ein Dilemma bei vielen, vielleicht bis dahin vernachlässigten, Abläufen ausgebremst zu werden. Oft sind es so banale Dinge wie - die Varianten im Änderungsindex und in der Dokumentation - die uneinheitlichen Nummernkreise für einen Artikel - die Kombination von Zeichen und Dezimalzahlen als Artikelbeschreibung - die unterschiedliche Namensgebung geringfügig abweichender Bauteile - die Verschiedenartigkeit bei Stücklisten und viele weitere Themen. Verstaubte, doch bisher vielleicht noch als passabel empfundene Abläufe, von ITlern als Missstände entlarvt, können entmutigen. Aber so leicht sollten sie es sich nicht machen. Jeder von uns ist schon der Versuchung erlegen, unerwünschte Nebeneffekte zu ignorieren. Doch Möglichkeiten zu optimieren gibt es immer. Mit dem Erkennen kann in vielen Fällen die bestehende Stolperstelle angepasst und nachhaltig in das Projekt eingebunden werden. Die Ergebnisse verbessern die internen Geschäftsprozesse. Oft sind es Ressourcen die vorher unterschwellig als störend empfunden wurden. Bleibt es bei diesen Schritten, grenzt es die Beziehungen zum Kunden, zum Markt aus. Industrie 4.0 als Denkansatz endet am Werktor. Das Potential dieser Veränderungen jedoch liegt in der zukünftigen Positionierung als Unternehmen im Markt. Ein Geschäftsmodell das die Möglichkeiten der Digitalisierung erkennt und sich ständig mit seiner Branche auseinandersetzt. Mit dem Blick aus Sicht des Kunden. Supply-Chain, als prozessorientierter Ansatz, vom Rohstoff bis zum Endkunden. Diese Handlungsfelder führen zu Veränderungen in der Unternehmenskultur und werden auf Widerstand treffen. Die Aufmerksamkeit des Managements und die spezifischen Verantwortlichkeiten des mittleren Managements sind der Schlüssel für die Veränderungen. Eine solche Mammutaufgabe fordert von allen Verantwortlichen eine offene Kommunikation, einen klaren Fokus, Offenheit für Neues und flexibel abrufbares Fachwissen aus den unterschiedlichen Bereichen. Kreativ und realistisch bleiben in der Beurteilung der Handlungsfelder, Produkt(e), Dienstleistung(en), den Prozessen, der Organisation und der Firmenphilosophie. Eine kreative Sichtweise die dabei inspirieren kann ist das Querdenken von außen. Eine Strategie die von Zeit zu Zeit dabei helfen kann, intern etwas wachzurütteln. Möglicherweise organisatorische Hürden abzubauen und Zeit zum Nachdenken zu schaffen. Damit alle verstehen, wie sich durch die Digitalisierung im Wettbewerb neue Chancen ergeben. Einen Weg für sich finden. Wer nur nach  Gebrauchsanweisungen sucht und handelt, wird scheitern. Es läuft eben nicht viel ohne (richtige) Entscheidungen. "Wer absolut Klarheit will, bevor er einen Entschluss fast, wird sich nie entschließen." (Henri F. Amiel 1821-1881)   

                        

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