09.04.2018
Babyboomer, IT-Ingenieur, ITler, Digitalisierung, Innovationen, Ingenieur, Kreativität, kreativ

Sichtbare Fäden

"Ich bin Ingenieur und unbändig stolz darauf", schrieb Dr. Ekkehard D. Schulz in seinem Buch "55 Gründe Ingenieur zu werden." Das ist noch nicht so lange her. Vielleicht 8 Jahre. Industrie 4.0, IoT und Apps haben in diesem Zeitraum mehr und mehr die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Stars und Start-ups füllen beinahe täglich die Presse mit immer neuen Träumen. Seitdem werden IT- Ingenieure und ITler als die zukunftsprägenden Gestalter händeringend gesucht. Neue Formen der Produktion und neue Geschäftsmodelle sollen aus den vernetzten Daten entstehen. Diese Ideen und Grundlagen beflügeln auch den Zugriff auf das Verbraucherverhalten. Apps, zum Zählen der Kalorien oder "Car Locator", Apps für die Kontrolle der eigenen Fitness, zur Polleninformation und viele weitere, sind Fluch und Segen dieser Revolution. Sie prägen schon jetzt Generationen. Vieles was heute die Digitalisierung möglich macht, war selbst für die Experten vor wenigen Jahren nicht  vorstellbar. So auch nicht der Siegeszug der Roboter in der Produktions- und der Medizintechnik. 

Dazu ist Beobachten und Verstehen eine wichtige Fähigkeit in der Aufgabenvielfalt als Ingenieur. Mehr als 25 Jahre Berufserfahrung aus meiner Sicht dabei eine große Hilfe für die Kreativität. Als Babyboomer gehöre ich zu der Generation, in der zu Beginn der Schulzeit noch der Fernseher der allabendliche Mittelpunkt im Wohnzimmer war. Und derjenige der die Fernbedienung hatte auch die Programmauswahl bestimmte. Zu Beginn der Berufslaufbahn die Konstruktionsaufgaben noch mit Bleistift, Zirkel und Lineal am Zeichenbrett gelöst wurden. Dann kam ab den 70iger Jahren der kulturelle und technologische Wandel. Mobiltelefone, PC, CAD, CAM, Bearbeitungszentren usw., wurden zu digitalen Begleitern. Gefühlt, hat die Welt begonnen sich immer schneller zu drehen. Industrie 4.0, die Digitalisierung, sowie IoT reichen heute als Schlagwort für den Zugriff auf Fördertöpfe oder Beratungsverträge. Die ständig steigende Vernetzung und die Verknüpfung der gesammelten Daten zeigt bei näherer Betrachtung, dass diese Fortschritte noch viele Lücken haben. Die auf Dynamik ausgerichtete IT-Kompetenz zu wenig Zeit für die Verbindung zu der Peripherie zulässt. Es ist wie eine Uraufführung in einem Marionettentheater mit einem abgenützten Bühnenbild und Puppen an sichtbaren Fäden geführt, von ungeübten Marionettenspielern. So gesehen und da bin ich mir sicher, ist der Ingenieur neben dem IT-Ingenieur und dem ITler weiterhin ein wichtiger Leistungsträger. Ein Zusammenführer der digitalen Welt mit der Hardware. Design, Werkstoffe und Werkstoffkombinationen, Wärmebehandlung, Oberflächengestaltung, Fertigungsprozesse, Montagegestaltung, Festlegung von Qualitätsstandards, Servicestandards, Teilestandards, Modularität usw. bilden immer wieder die Messlatte für neu zu erarbeitende Lösungen. Es sind dann die Fähigkeiten aus technischem Wissen, sowie die Erfahrungen und der Mut für divergentes, von den üblichen Wegen abweichendes Denken, die etwas greifbar machen. Kreativ sein und damit Ideen finden, Ideen konkretisieren, die zu Innovationen führen. Die Digitalisierung erlebbar machen. Wer dieses Handlungsfeld keinem (klassischen) Ingenieur überlässt, für den kommt das große Erwachen.               

                         

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