Bbg 2017

05.10.2018
Querdenken

Gegen den Wind

Im September 2018, kurz nachdem die Sommerferien auch für das letzte Bundesland zu Ende waren, öffnete die 19. AMB, die internationale Ausstellung für Metallbearbeitung, ihre Tore auf dem Messegelände in Stuttgart. Eine neue Dimension mit der erstmals einbezogenen Halle 10, der Paul Horn Halle. Eingebettet in ein umfangreiches Rahmenprogramm ging das Konzept wieder auf. Mehr als 91.000 Besucher und mehr als 1.500 Aussteller waren für fünf Tage gekommen.

Viele der ausstellenden Unternehmen nutzten Effekte aus dem Rahmenprogramm in der eigenen Darstellung. Als Ergänzung zu ihrem eigentlich angestammten Thema. Von kräftigen umkrempeln im Zuge der nun endgültig überall begonnenen Digitalisierung fehlte auf den Messeständen und bei den Besuchern der eigentlich erwartete letzte Funke. Überzeugungsarbeit leisteten große, international aufgestellte Unternehmen mit nutzerbezogenen Apps, vernetzten Produktions-, Service- und Wartungskonzepten. Es waren mehr als nur Einblicke in die begonnene Zukunft 4.0. Nicht nur Visionen, sondern sie zeigten den aktuellen Stand an Möglichkeiten - wenn man es nur wollte. Konzeptbausteine wie, kontaktlose les- und beschreibbare Datenspeicher für Werkzeugkomponenten, autonomes Messen und eine einfach programmierbare Robotergeneration für die Flexibilisierung automatisierter Maschinen in Fertigungsprozessen verändern bisherige Standards und weckten doch gleichzeitig die Bedenkenträger - die für Veränderungen sind, aber alles soll so bleiben wie es ist. Es läuft wie geschmiert im Maschinenbau, ebenso bei der Metallverarbeitung. Das bremst bei den Unternehmen zum einen die Digitalisierung und zum anderen die Innovationsfreudigkeit. Beides erfordert Mitarbeiter, die oft fehlen. Produkt-Updates im Großen wie im Kleinen und Baureihen-Erweiterungen hatten dadurch ihre große Chance. Und so begann schon morgens, nach einer kurzen Eingewöhnungsphase in den Messehallen die Beschallung mit Vorträgen, Live-Moderationen und wiederkehrenden Leinwand-Präsentationen. Es herrschte ein Überangebot an nicht unterscheidbaren Produkten und Systemen, von eigentlich nicht oder nur in Nuancen unterscheidbaren Unternehmen, mit in Konformität geschultem Standpersonal. Unwillkürlich musste ich an "Queen" denken: "The Show Must Go On". Erfolg verdeckt den Blick in die Zukunft - der Spruch "Never change a winning team" scheint einheitlich verinnerlicht. Nichtsdestotrotz, die Stimmung war bisweilen euphorisch. Vielleicht in manchen Fällen ein wenig Neid untereinander. Der Erfolg im Jetzt, war in der Ausstattung der Messestände präsent und ebenso in der Art und dem Umfang an Betreuung für die Besucher. Oft verknüpft mit einem Eventcharakter. Industrie 4.0, die Digitalisierung, KI, Roboter, IoT, Cyber Physicals-Systems - das Phänomen der zunehmenden Vernetzung, Plattform-Geschäftsmodelle, all diese Begriffe sind oft noch schwer vorstellbar. So konnten diese aufziehenden Wolken die Messetage noch nicht verdunkeln.

Es war eine positive Woche für die Insider. Insider, die mithelfen mit ihren Talenten und Fähigkeiten, Bedürfnisse zu erkennen und umzusetzen und die sich vor Ort ein Bild machen wollten. Ohne die, die Fortschritte der präsentierten Technologien, ob für die Mobilität, die Medizintechnik, Energieversorgung, auf dem Bau usw. nicht den Stand von heute erreicht hätten. Diese Messeplattform die eigentlich Bund, Länder und Gemeinden nutzen müssten für ihre Politik. Jeden einzelnen Tag von morgens bis abends. Denn nur dieser Erfolg hat vieles in den letzten Jahren auf allen Ebenen möglich gemacht. Und es wäre vieles zu berichten. Nur konnte in der regionalen oder überregionalen Presse diese AMB-Woche verfolgt werden? Und dann die tägliche erlebnisreiche Anfahrt zum Messegelände, die eigentlich keine zusätzlichen Hürden mehr braucht. Es braucht auch keine Rolltreppe am Messezubringer Flughafen,S3, die nicht funktioniert. Wie sehen wir Orte, die Wissen für Morgen so komprimiert und freigiebig präsentieren, in der Zukunft? Können wir uns diese gleichbleibende Routine aus den letzten neunzehn Veranstaltungen weiterhin leisten? Letztendlich hat die Digitalisierung schon begonnen Unternehmen und Märkte zu verändern. Vieles, in Unternehmen, in der Arbeitswelt, in der Gesellschaft, wird sich von Grund auf neu definieren. Es ist eine Chance, den Koffer mit den vorhandenen Denkmustern jetzt abzustellen und einen neuen zu packen. "Denken können wir alle, nachdenken viele, vordenken wenige, querdenken nur Mutige" (Dr. C. P. Fröhling) Querdenken ist eine Schlüsselkomponente für eine Strategie in die Zukunft.                       

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